Wirtschaftsstandort mit Kompetenz für die Zukunft

Industrie- und Gewerbegebiet Kirchmöser erwacht
Der Standort Kirchmöser war über Jahrzehnte führend bei der Entwicklung von Schienentechnik für die damalige Deutsche Reichsbahn. Nach der Wende konnte die Tradition nur punktuell fortgeführt werden. Der Rest des Industriegebietes fiel in einen
Dornröschenschlaf – bis die Stadt Brandenburg an der Havel das Heft in die Hand nahm.
Erschließung mit Umsicht und Augenmaß
Zum 01. Januar 2003 wurden in Kirchmöser ca. 90 Liegenschaften mit ca. 400 Hektar durch die Stadt Brandenburg an der Havel vom Bundeseisenbahnvermögen mit dem Ziel übernommen, das Industrie- und Gewerbegebiet Kirchmöser mit seinen noch nicht vorher veräußerten denkmalgeschützten Industriebauten zur Sicherung und Schaffung weiterer Arbeitsplätze weiterzuentwickeln. Davon waren, so Hans-Joachim Freund im Gespräch, immerhin 160 Hektar Industriebrache, die zum Teil metertief mit Altlasten behaftet waren.
Als Projektmanager Kirchmöser der Stadtverwaltung Brandenburg ist Freund zugleich auch Geschäftsführer der Projekt-Entwicklung-Kirchmöser GmbH, eines zu 100 Prozent städtischen Unternehmens.
Zur Person:
Hans-Joachim Freund gehört dem Jahrgang 1956 an und ist gebürtiger Aschaffenburger. Sein Studium der Rechtswissenschaften mit wirtschaftlichem Schwerpunkt absolvierte er in Osnabrück.
Hans-Joachim Freund ist Geschäftsführer der
Projekt-Entwicklung-Kirchmöser GmbH (PEK GmbH) und städtischer Projektmanager für die Revitalisierung des Ortsteils Brandenburg-Kirchmöser.
Doch für eine Stadt wie Brandenburg ist die Entwicklung eines Gebietes von diesem Ausmaß allein nicht zu schultern. Das wurde auch bei der Landesregierung so gesehen. Das Land förderte zu 80 Prozent die Revitalisierung (Infrastruktur) des Gewerbe- und Industriegebietes (GI) Nord – die Gesamtinvestitionen lagen hier bei 26 Mio. Euro. Mitte 2006 wurde die Revitalisierung im Gewerbegebiet Nord abgeschlossen. Das waren auch erfreuliche Tage für Hans-Joachim Freund und sein Team, denn der Start Anfang 2004 war eher abenteuerlich: Lediglich Pläne aus dem Gründerjahr 1916, als die Pulverfabrik gebaut wurde, konnten ausfindig gemacht werden. Alle später gelegten Leitungen, vor allem aus DDR-Zeiten, wurden quasi „per Bagger“ ermittelt. Aber, was hier geschafft wurde kann sich sehen lassen. „Wir haben im GI Nord 6,7Kilometer Straße gebaut, vor allem eine durchgehende Nord-Süd-Achse angelegt“, berichtet Freund nicht ohne Stolz. Die zügige Erschließung des Gebietes Nord hat sich allerdings auch ausgezahlt. Zwischenzeitlich sind rund 90 Prozent des 105 Hektar großen Areals vermarktet. Durch die frühe hohe Auslastung konnte Hans-Joachim Freund mit seinem Team auch frühzeitig den nächsten Abschnitt in Angriff nehmen – das Gewerbegebiet Süd.
Gut angebunden
Kirchmöser liegt auf einer Halbinsel in der Region Westhavelland, in einem besonders reizvollen Teil der wald- und seenreichen Brandenburger Landschaft. Kirchmöser ist ein Stadtteil der Stadt Brandenburg an der Havel. Er liegt etwa zehn Kilometer westlich der Stadt und 70 Kilometer westlich von Berlin. Im Süden von Kirchmöser verläuft die Eisenbahnstrecke Berlin – Magdeburg, an die der Ort durch eigene Gleisanlagen angeschlossen ist. Im Norden grenzt die Halbinsel an den Plauer See, über den die Wasserstraßenverbindung Elbe-Havel-Oder führt. Die Hafenanlagen sind für Massengüter eine geeignete Umschlagstelle. Für den Kraftfahrzeugverkehr ist Kirchmöser direkt über die Bundesstraße B1 zu erreichen.
Das Hauptproblem sei hier, so Freund, die damalige Nutzung durch die sowjetischen Truppen als überregionale Panzerwerkstätte. Außerdem stand direkt neben diesem abgegrenzten Areal eine Gasgeneratorenstation. Dort hat man Teerölrückstände noch in zwölf Metern Tiefe gefunden. Allein deren Sanierung wird 10 Mio. Euro kosten. Für die Bewältigung dieser Mammut-Aufgabe hat sich Hans-Jochim Freund Partner ins Boot geholt, die da wären:
• für alle Aufgaben der Steuerung die Firma MGG Montan-Grundstücksgesellschaft mbH aus Essen;
• für die Arbeiten im Bereich der Erschließung die Firma ISP Steinbrecher & Partner Ingenieurgesellschaft aus Rathenow;
• für die Oberbauleitung in den Bereichen Abriss und Altlasten die IUP Ingenieure GmbH aus Braunschweig.
Für die Beseitigung der Altlasten, der Munitionsvergrabungen und die neue Infrastruktur des gesamten GI Süd sind rund 49,4 Mio. Euro veranschlagt. Das Land hat im August 2005 wiederum eine Förderung von 80 Prozent zugesagt. Doch dieses Mal ist Eile geboten: Wegen der EFRE-Anteile aus Brüssel muss bis zum 30. Juni 2007 abgerechnet werden.
Um diesen Termin einzuhalten, haben sich die Leute mächtig ins Zeug gelegt:
• von November 2005 bis April 2006 Abriss von über 90 Gebäuden;
• von Mai 2006 bis April 2007 Entsorgung von 265.000 Tonnen hoch belasteter Stoffe. Von Mitte September 2006 bis zum 22.12.2006 verließ täglich ein Altlastenzug mit 700 bis 900 Tonnen das Entwicklungsgebiet in Richtung Bodenwaschanlage;
• es entstand eine neue Infrastruktur (Straßen, Plätze, Wege, Strom, Gas, Wasser, Abwasser, Regenwasser und Medienleitungen)
Hans-Joachim Freund liegt mit seiner Mannschaft gut im Rennen. Der Termin zum 30.Juni 2007 wird geschafft. Davon sind alle überzeugt in der Projekt-Entwicklung-Kirchmöser GmbH.
Presseartikel aus: Forum I neue Länder - Ausgabe April 2007