„Kompetenz aus Erfahrung – Gleistechnik für höchste Ansprüche“, das ist das Motto der Heinrich Badenhausen Gleistechnik GmbH aus dem hessischen Jesberg. Und es wird nicht mehr lange dauern, dann kennt man die Firma auch hier bestens. „Denn“, so Alexander Jung (35), Geschäftsführender Gesellschafter, „mit unserer Firma passen wir hier in den Kreis der so genannten bahnaffinen Firmen genau hinein. Wir sind als Dienstleister der Bahn das fehlende Rad am Wagen Kirchmösers. Verschiedenste planende und produzierende Unternehmen haben sich angesiedelt bzw. werden es in Kürze tun. Aber noch kein ausführendes Unternehmen. Und das sind wir.“
Alexander Jung ist die Liebe zur Bahn wohl schon mit in die Wiege gelegt worden. Er kommt aus einer alten Eisenbahnerfamilie, hat seine Aus- und Weiterbildung durch Arbeit im Gleisbau selbst finanziert. „Wenn man sich so wie ich mit der Bahn beschäftigt, dann kommt man irgendwann nicht am Standort Kirchmöser vorbei. Ob bei der Fortbildung, als Dozent an der Eisenbahnfachschule oder bei der Deutschen Bahn selbst – immer wieder taucht der Brandenburger Stadtteil neben Standorten wie z.B. Minden auf. Kirchmöser ist in Fachkreisen schon lange bekannt als Ausbildungs- und Ausbesserungswerk der ehemaligen Reichsbahn.“
Zur Firma gehört eine Niederlassung in Marienwerder, und bei einem Gespräch bezüglich einer Wirtschaftsförderung in dieser Region war auch Regionalmanager Dirk Zielke mit dabei. „Er hat mich auf die Zukunft Kirchmösers aufmerksam gemacht, von den Plänen und Fördermöglichkeiten berichtet. Ja, und dann habe ich mir das mal angeschaut.“
Gleisbau war schon immer eine reisende Beschäftigung, für Alexander Jung kam ein neues Ziel dazu. So ist er ständig fünf bis sieben Tage die Woche von zu Hause fort. „Das ist für meine Frau auch nicht leicht, aber sie hat in eine Eisenbahnerfamlie hineingeheiratet und akzeptiert das.“
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 Der 35-jährige Unternehmer Alexander Jung zeigt auf das kürzlich erworbene 9500 Quadratmeter große Grundstück im Industriegebiet Kirchmöser-Nord, in dem die Heinrich Badenhausen Gleistechnik GmbH ihren zweiten Hauptstandort aufbauen will. Fotos: ger
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Der junge Unternehmer hätte es sich eigentlich viel einfacher machen können. Nach der Fortbildung und der Dozententätigkeit hatte er das Angebot, ins Eisenbahnbundesamt als Beamter zu gehen. „Zu der Zeit war ich schon wie gesetzlich vorgeschrieben ein fachlicher Betreuer der Firma Badenhausen. Diese musste aber Insolvenz anmelden und der Herr Badenhausen fragte mich, ob ich nicht Geschäftsführer werden möchte. Das Land Hessen hatte auch Unterstützung zugesagt. Es folgten etliche schlaflose Nächte, was ich denn nun machen werde. Schließlich hat mir meine Frau die Entscheidung abgenommen. Denn sie kannte mich und wusste genau, dass ich im Büro in Bonn nicht glücklich geworden wäre.“
Nunmehr ist der gelernte Eisenbahnbetriebsleiter seit einem Jahr Chef der Badenhausen Gleistechnik. Hier in Kirchmöser hat er noch nicht mal ein Büro, denn gerade erst ist das 9700 Quadratmeter große Grundstück gekauft worden. „Wenn das Wetter mitspielt, wollen wir noch in diesem Jahr mit dem Umbau des denkmalgeschützten Gebäudes, der ehemaligen Farbgebung, beginnen. Wir planen eine Investitionssumme von rund 2,5 Millionen Euro.“
Befragt nach den Kontakten zu den Menschen hier, kann Alexander Jung nur Lobendes sagen: „Ich bin bisher meist nur einen Tag in der Woche hier, also mehr oder weniger noch Gast. Aber mich hat hier viel Herzlichkeit erwartet und was besonders wichtig ist: In den Mitarbeitern der Projektentwicklung Kirchmöser (PEK) mit den Herren Freund, Zielke und Hill sowie allen anderen Verantwortlichen in Stadt und Land habe ich sehr kompetente Partner und jede erdenkliche Hilfe gehabt.“
Wenn in gut einem Jahr die ersten bis zu 45 Mitarbeiter in ihre neuen
Arbeitsräume einziehen, dann werden die bestehenden zwei Niederlassungen geschlossen, so dass es nur noch die Hauptverwaltung in Jesberg und den Standort Kirchmöser geben wird. „Wie ich schon sagte, Gleisbauer sind ein fahrendes Volk, bundesweit tätig und so wird es auch keine wesentlichen Auswirkungen für die Beschäftigten geben. Unser Unternehmen hat derzeit 128 Beschäftigte, die teilweise schon mehr als 25 Jahre bei uns sind. Stolz sind wir auch darauf, dass wir bisher die Lehrlinge immer übernommen haben. Für Kirchmöser planen wir, eine Forschungs- und Entwicklungsabteilung sowie die Projektsteuerung als neue Geschäftsfelder aufzubauen. Um Auftragsmangel ist uns auch nicht bange, denn es gibt bei den rund 650 Eisenbahnen in Deutschland immer etwas zu tun.“ So haben die Mitarbeiter der Firma beispielsweise nach der Hochwasserkatastrophe in Dresden bei der Gleisinstandsetzung geholfen, haben den Altstadtring Dresden gebaut, für ein Stellwerk in Grevenbroich Kabel verlegt und vieles mehr.
Alexander Jung ist, wie er selbst sagt, mehr der geborene Techniker. Deshalb brauchte er für die kaufmännische Seite auch einen kompetenten, vertrauenswürdigen Partner. „Den fand ich in meinem Onkel, der vorher selbstständiger Unternehmensberater war. Zu ihm habe ich auch persönlich eine ganz besondere Bindung. Er war für mich immer so etwas wie ein Vaterersatz, denn mein Vater ist leider im Alter von 46 Jahren schon gestorben. Ich bin zuversichtlich, dass wir hier in Kirchmöser schnell Fuß fassen werden und mit unserer Arbeit auch Erfolg haben werden. So gesehen ist auch die Vorstellung, dass in dieser Niederlassung einmal einmal bis zu 60 Beschäftigte arbeiten, für mich keine Utopie.“
Utopie dagegen ist derzeit das liebste Hobby des 35-Jährigen. „Ich spiele leidenschaftlich gern Golf. Für mich sind die drei Stunden eine Zeit, in der ich spazieren gehen kann und dabei noch auf kleine Bälle haue. Ich sehe das nicht als elitären Sport an, sondern als eine Form der aktiven Bewegung an der frischen Luft. Dieses Jahr kam ich allerdings nur drei Mal auf den Platz.“